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Drei Mythen, die wir aufräumen
„Wärmepumpe geht nur bei Fußbodenheizung": Falsch. Entscheidend ist die Vorlauftemperatur, nicht die Heizflächenbauart. Auch klassische Heizkörper können bei korrekter Auslegung mit niedriger Vorlauftemperatur arbeiten.
„Altbau muss erst gedämmt werden": Pauschal falsch. Oft reicht eine Heizflächen-Optimierung – also größere oder zusätzliche Heizkörper in den kritischen Räumen. Komplettdämmung kann später folgen.
„Wärmepumpe verbraucht zu viel Strom": Wenn die JAZ unter 3 fällt – ja. Bei korrekt ausgelegter WP mit JAZ 3,5+ ist sie auch im Altbau wirtschaftlich.
Die Heizlast nach DIN EN 12831
Die Heizlast eines Altbaus liegt typisch bei 80–120 W/m² (modern: 30–60 W/m²). Sie hängt von Bauteilen, Wärmebrücken, Lüftungsverlusten und Innentemperaturen ab.
Eine korrekte Heizlastberechnung ist die Grundlage jeder Wärmepumpen-Auslegung. Die typischen Daumenregeln aus dem Internet überschätzen die Heizlast oft um 20–30 % – mit teurer Folge: zu große WP, schlechtere JAZ, mehr Stromverbrauch.
Vorlauftemperatur am Norm-Auslegungstag
Die Wärmepumpe arbeitet wirtschaftlich, wenn die Vorlauftemperatur am kältesten Tag (in NRW typisch -10 bis -12 °C) unter 55 °C bleibt. Optimal: ≤ 45 °C.
Ist die VL-Temperatur zu hoch, hilft eine der drei Maßnahmen:
- Heizflächen vergrößern (Plattenheizkörper Typ 22 → Typ 33)
- Niedertemperaturheizkörper einbauen (Hybrid mit Lüfter)
- Einzelne Räume nachträglich dämmen (z. B. Außenwand mit Innendämmung in Schlafräumen)
Heizflächenoptimierung statt Komplettdämmung
Bei vielen Altbauten reicht es, die Heizkörper in 2–3 kritischen Räumen zu vergrößern. Kosten: 1.500–4.000 €. Effekt: Vorlauftemperatur sinkt um 5–10 K, JAZ steigt um 0,3–0,5.
Wir prüfen pro Raum, ob die bestehende Heizfläche für die Heizlast bei niedriger VL-Temperatur reicht – das ist Teil unseres Wärmepumpen-Checks.
JAZ-Benchmarks 2026: Was ist realistisch?
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) ist das Verhältnis erzeugter Heizwärme zu zugeführtem Strom über ein ganzes Jahr. Werte basierend auf Feldmessungen des Fraunhofer ISE „WP-Monitor" und aktuellen Gerätedatenblättern 2025/2026:
| Wärmepumpen-Typ | JAZ Altbau (VL 55 °C) | JAZ saniert (VL 45 °C) | JAZ Neubau (VL 35 °C) |
|---|---|---|---|
| Luft/Wasser | 2,6 – 3,1 | 3,2 – 3,8 | 3,8 – 4,5 |
| Sole/Wasser (Erdsonde) | 3,4 – 3,9 | 4,0 – 4,5 | 4,5 – 5,2 |
| Wasser/Wasser | 3,8 – 4,3 | 4,4 – 5,0 | 5,0 – 5,8 |
Die KfW-458-Förderung verlangt seit 2024 für Luft/Wasser-WP eine JAZ ≥ 2,7 als Mindestwert. Wirtschaftlich relevant ist aber 3,3+: erst dort werden die Heizkosten gegenüber Gas dauerhaft unterboten.
Wirtschaftlichkeit über 20 Jahre
Mit JAZ 3,5 und 25 ct/kWh Strom liegen die Heizkosten typisch bei 7,1 ct/kWh Wärme. Zum Vergleich: Gas mit 8 ct/kWh + CO₂-Bepreisung > 7,5 ct/kWh ab 2027. Die Wärmepumpe gewinnt langfristig – sofern sie korrekt ausgelegt ist.
Fazit: Wann die WP wirklich passt
Die Wärmepumpe ist im Altbau praktisch immer machbar – die Frage ist wirtschaftlich. Drei Bedingungen sollten erfüllt sein:
- Heizlast ist korrekt berechnet (nicht aus dem Daumen)
- Vorlauftemperatur ≤ 55 °C am Norm-Auslegungstag erreichbar (ggf. nach Heizflächenanpassung)
- JAZ-Prognose ≥ 3,3 für Luft-Wasser, ≥ 4,0 für Sole/Wasser
Wer das vor dem Heizungstausch klärt, vermeidet die typischen Beschwerden über kalte Räume und hohe Stromkosten.
Quellen & Standards
- KfW 458 – Heizungsförderung für Privatpersonen (Förderbedingungen, JAZ-Mindestwerte)
- BAFA – Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG-EM)
- Gebäudeenergiegesetz (GEG) – Volltext bei gesetze-im-internet.de
- Fraunhofer ISE – Feldmessungen Wärmepumpen im Bestand (JAZ-Benchmarks aus realen Anlagen)
- DIN EN 12831-1:2017-09 – „Heizungsanlagen in Gebäuden – Verfahren zur Berechnung der Norm-Heizlast", erhältlich beim Beuth-Verlag.
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