Ratgeber

Wärmepumpe im Altbau: Wann sie wirklich passt – und wann nicht

Eine Wärmepumpe im 70er-Jahre-Haus? Das geht – aber nicht immer ohne Vorbereitung. Entscheidend sind Heizlast, Vorlauf­temperatur und Heizflächen. Wir zeigen, wie Sie ehrlich beurteilen, ob die Wärmepumpe für Ihren Altbau passt – ohne Marketing, ohne Schwarz-Weiß-Antworten.

Drei Mythen, die wir aufräumen

„Wärmepumpe geht nur bei Fußbodenheizung": Falsch. Entscheidend ist die Vorlauf­temperatur, nicht die Heizflächen­bauart. Auch klassische Heizkörper können bei korrekter Auslegung mit niedriger Vorlauftemperatur arbeiten.

„Altbau muss erst gedämmt werden": Pauschal falsch. Oft reicht eine Heizflächen-Optimierung – also größere oder zusätzliche Heizkörper in den kritischen Räumen. Komplettdämmung kann später folgen.

„Wärmepumpe verbraucht zu viel Strom": Wenn die JAZ unter 3 fällt – ja. Bei korrekt ausgelegter WP mit JAZ 3,5+ ist sie auch im Altbau wirtschaftlich.

Die Heizlast nach DIN EN 12831

Die Heizlast eines Altbaus liegt typisch bei 80–120 W/m² (modern: 30–60 W/m²). Sie hängt von Bauteilen, Wärmebrücken, Lüftungsverlusten und Innentemperaturen ab.

Eine korrekte Heizlast­berechnung ist die Grundlage jeder Wärmepumpen-Auslegung. Die typischen Daumenregeln aus dem Internet überschätzen die Heizlast oft um 20–30 % – mit teurer Folge: zu große WP, schlechtere JAZ, mehr Stromverbrauch.

Vorlauf­temperatur am Norm-Auslegungstag

Die Wärmepumpe arbeitet wirtschaftlich, wenn die Vorlauf­temperatur am kältesten Tag (in NRW typisch -10 bis -12 °C) unter 55 °C bleibt. Optimal: ≤ 45 °C.

Ist die VL-Temperatur zu hoch, hilft eine der drei Maßnahmen:

  • Heizflächen vergrößern (Plattenheizkörper Typ 22 → Typ 33)
  • Niedertemperatur­heizkörper einbauen (Hybrid mit Lüfter)
  • Einzelne Räume nachträglich dämmen (z. B. Außenwand mit Innendämmung in Schlafräumen)

Heizflächen­optimierung statt Komplettdämmung

Bei vielen Altbauten reicht es, die Heizkörper in 2–3 kritischen Räumen zu vergrößern. Kosten: 1.500–4.000 €. Effekt: Vorlauf­temperatur sinkt um 5–10 K, JAZ steigt um 0,3–0,5.

Wir prüfen pro Raum, ob die bestehende Heizfläche für die Heizlast bei niedriger VL-Temperatur reicht – das ist Teil unseres Wärmepumpen-Checks.

Wirtschaftlichkeit über 20 Jahre

Mit JAZ 3,5 und 25 ct/kWh Strom liegen die Heizkosten typisch bei 7,1 ct/kWh Wärme. Zum Vergleich: Gas mit 8 ct/kWh + CO₂-Bepreisung > 7,5 ct/kWh ab 2027. Die Wärmepumpe gewinnt langfristig – sofern sie korrekt ausgelegt ist.

Fazit: Wann die WP wirklich passt

Die Wärmepumpe ist im Altbau praktisch immer machbar – die Frage ist wirtschaftlich. Drei Bedingungen sollten erfüllt sein:

  • Heizlast ist korrekt berechnet (nicht aus dem Daumen)
  • Vorlauf­temperatur ≤ 55 °C am Norm-Auslegungstag erreichbar (ggf. nach Heizflächen­anpassung)
  • JAZ-Prognose ≥ 3,3 für Luft-Wasser, ≥ 4,0 für Sole/Wasser

Wer das vor dem Heizungstausch klärt, vermeidet die typischen Beschwerden über kalte Räume und hohe Stromkosten.

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