Ratgeber

Wärmepumpe im Altbau: Wann sie wirklich passt – und wann nicht

Eine Wärmepumpe im 70er-Jahre-Haus? Das geht – aber nicht immer ohne Vorbereitung. Entscheidend sind Heizlast, Vorlauf­temperatur und Heizflächen. Ich zeige, wie Sie ehrlich beurteilen, ob die Wärmepumpe für Ihren Altbau passt – ohne Marketing, ohne Schwarz-Weiß-Antworten.

Hinweis zur BEG-Reform: Seit dem 21. Juli 2026 gelten die neuen Förderrichtlinien vom 17. Juli 2026. Die Zahlen in diesem Artikel sind auf diesem Stand. Wer seinen Antrag vor dem 21. Juli gestellt hat, wird noch nach der alten Fassung beschieden. Was sich im Einzelnen geändert hat, steht im Ratgeber BEG-Reform 2026.

Drei Mythen, die ich aufräume

„Wärmepumpe geht nur bei Fußbodenheizung“: Falsch. Entscheidend ist die Vorlauf­temperatur, nicht die Heizflächen­bauart. Auch klassische Heizkörper können bei korrekter Auslegung mit niedriger Vorlauftemperatur arbeiten.

„Altbau muss erst gedämmt werden“: Pauschal falsch. Oft reicht eine Heizflächen-Optimierung – also größere oder zusätzliche Heizkörper in den kritischen Räumen. Komplettdämmung kann später folgen.

„Wärmepumpe verbraucht zu viel Strom“: Sie verbraucht Strom, aber sie macht aus einer Kilowattstunde mehrere Kilowattstunden Wärme. Ob das günstiger ist als Gas, hängt an der JAZ und am Tarif: mit einem Wärmepumpentarif schon ab einer JAZ von rund 2,0, mit normalem Haushaltsstrom ab rund 3,0. Bei korrekt ausgelegter WP mit JAZ 3,5+ ist sie auch im Altbau wirtschaftlich.

Die Heizlast nach DIN EN 12831

Die Heizlast eines Altbaus liegt typisch bei 80–120 W/m² (modern: 30–60 W/m²). Sie hängt von Bauteilen, Wärmebrücken, Lüftungsverlusten und Innentemperaturen ab.

Eine korrekte Heizlast­berechnung ist die Grundlage jeder Wärmepumpen-Auslegung. Die typischen Daumenregeln aus dem Internet überschätzen die Heizlast oft um 20–30 % – mit teurer Folge: zu große WP, schlechtere JAZ, mehr Stromverbrauch.

Vorlauf­temperatur am Norm-Auslegungstag

Die Wärmepumpe arbeitet wirtschaftlich, wenn die Vorlauf­temperatur am kältesten Tag (in NRW typisch -10 bis -12 °C) unter 55 °C bleibt. Optimal: ≤ 45 °C.

Ist die VL-Temperatur zu hoch, hilft eine der drei Maßnahmen:

  • Heizflächen vergrößern (Plattenheizkörper Typ 22 → Typ 33)
  • Niedertemperatur­heizkörper einbauen (Hybrid mit Lüfter)
  • Einzelne Räume nachträglich dämmen (z. B. Außenwand mit Innendämmung in Schlafräumen)

Heizflächen­optimierung statt Komplettdämmung

Bei vielen Altbauten reicht es, die Heizkörper in 2–3 kritischen Räumen zu vergrößern. Kosten: 1.500–4.000 €. Effekt: Vorlauf­temperatur sinkt um 5–10 K, JAZ steigt um 0,3–0,5.

Ich prüfe pro Raum, ob die bestehende Heizfläche für die Heizlast bei niedriger VL-Temperatur reicht – das ist Teil meines Wärmepumpen-Checks.

JAZ-Benchmarks 2026: Was ist realistisch?

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) ist das Verhältnis erzeugter Heizwärme zu zugeführtem Strom über ein ganzes Jahr. Werte basierend auf Feldmessungen des Fraunhofer ISE (Projekt „Wärmepumpen-Qualitätssicherung im Bestand“, 77 Anlagen über vier Jahre, ausgewertet November 2025) und aktuellen Geräte­datenblättern 2025/2026. Über alle Anlagen hinweg lag die JAZ bei Luft/Wasser zwischen 2,6 und 4,9 (Mittel 3,4), bei Sole/Wasser zwischen 3,6 und 5,4 (Mittel 4,3). Eine Korrelation zwischen Baujahr und Effizienz fand sich dabei nicht, die Vorlauftemperatur entscheidet:

Wärmepumpen-Typ JAZ Altbau (VL 55 °C) JAZ saniert (VL 45 °C) JAZ Neubau (VL 35 °C)
Luft/Wasser2,6 – 3,13,2 – 3,83,8 – 4,5
Sole/Wasser (Erdsonde)3,4 – 3,94,0 – 4,54,5 – 5,2
Wasser/Wasser3,8 – 4,34,4 – 5,05,0 – 5,8

Die KfW-458-Förderung verlangt seit 2024 für Luft/Wasser-WP eine JAZ ≥ 2,7 als Mindestwert. Wann die Wärmepumpe eine Gasheizung wirtschaftlich schlägt, hängt allerdings genauso am Stromtarif wie an der Anlage: Gas kostet als fertige Wärme rund 12,5 ct/kWh. Mit einem Wärmepumpentarif um 24 ct/kWh ist diese Schwelle bereits bei einer JAZ von etwa 2,0 erreicht, mit normalem Haushaltsstrom um 37 ct/kWh erst bei etwa 3,0. Als Planungsziel bleibt 3,3+ trotzdem sinnvoll, weil es Reserve gegen kalte Winter und Auslegungsfehler schafft.

Wirtschaftlichkeit über 20 Jahre

Mit JAZ 3,5 und 24 ct/kWh Wärmepumpenstrom liegen die Heizkosten bei rund 6,9 ct/kWh Wärme, also bei gut der Hälfte des Gaswärmepreises von rund 12,5 ct/kWh. Über zwanzig Jahre gerechnet kommt co2online im Juni 2026 auf rund 24.500 € für die Wärmepumpe gegenüber rund 55.600 € für Gas. Die Wärmepumpe gewinnt langfristig deutlich, sofern sie korrekt ausgelegt ist. Die vollständige Rechnung steht im Ratgeber Sanierung und laufende Kosten.

Fazit: Wann die WP wirklich passt

Die Wärmepumpe ist im Altbau praktisch immer machbar – die Frage ist wirtschaftlich. Drei Bedingungen sollten erfüllt sein:

  • Heizlast ist korrekt berechnet (nicht aus dem Daumen)
  • Vorlauf­temperatur ≤ 55 °C am Norm-Auslegungstag erreichbar (ggf. nach Heizflächen­anpassung)
  • JAZ-Prognose ≥ 3,3 für Luft-Wasser, ≥ 4,0 für Sole/Wasser

Wer das vor dem Heizungstausch klärt, vermeidet die typischen Beschwerden über kalte Räume und hohe Stromkosten.

Quellen & Standards

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