Das Wichtigste in Kürze
- § 35 GModG verlangt eine gedämmte oberste Geschossdecke, wenn sie den Mindestwärmeschutz nicht erreicht und das Dach darüber nicht gedämmt ist. Wer ein Ein- oder Zweifamilienhaus kauft, das der Verkäufer schon am 1. Februar 2002 besaß und selbst bewohnte, hat dafür zwei Jahre ab Grundbucheintrag; sonst gilt die Pflicht sofort.
- Zielwert: U-Wert der gedämmten Decke höchstens 0,24 W/(m²·K). Alternativ darf statt der Decke das Dach gedämmt werden.
- Die Pflicht entfällt durch Erfüllungsfiktion, wenn die Decke den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 schon erreicht oder das Dach gedämmt ist.
- Die Pflicht entfällt zusätzlich, wenn sich die Dämmung wirtschaftlich nicht in angemessener Frist rechnet.
- Ein Energieberater stellt bei einem Termin vor Ort fest, ob einer dieser Fälle auf Ihr Haus zutrifft.
- Die Pflicht ist ein gesetzlicher Mindeststandard. Den größten Nutzen bringt ein Sanierungskonzept: In einer geprüften Reihenfolge der Maßnahmen ist die Einsparung pro Euro am höchsten.
Inhalt
- Die Frist nach dem Kauf
- Oberste Geschossdecke: worum es geht
- Sonderfall Bungalow
- Sonderfall ausgebautes Dachgeschoss
- Erfüllungsfiktion: Pflicht gilt als erfüllt
- Wann die Pflicht ganz entfällt
- Bußgeld bei Untätigkeit
- Weitere Nachrüstpflichten
- Schritt für Schritt nach dem Kauf
- Sinnvoll sanieren statt nur dämmen
- Quellen
Die Frist nach dem Kauf
Das Gebäudemodernisierungsgesetz verlangt, dass einzelne Bauteile eines Altbaus einen Mindeststandard erreichen. § 35 GModG betrifft die oberste Geschossdecke, also die Decke zwischen dem obersten beheizten Raum und einem ungenutzten Dachboden. Über eine ungedämmte Decke geht im Winter spürbar Wärme nach oben verloren.
Für selbst genutzte Häuser mit höchstens zwei Wohnungen gibt es eine wichtige Erleichterung. Wer am 1. Februar 2002 bereits in seinem Haus gewohnt hat, musste nichts unternehmen. Die Pflicht entsteht erst beim nächsten Eigentümerwechsel. Kaufen oder erben Sie heute ein solches Haus, haben Sie ab dem Eintrag ins Grundbuch zwei Jahre Zeit, die Decke oder ersatzweise das Dach auf den geforderten Stand zu bringen.
Konkret heißt das: Die gedämmte oberste Geschossdecke darf einen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) von 0,24 W/(m²·K) nicht überschreiten. Je kleiner dieser Wert, desto besser hält das Bauteil die Wärme im Haus.
Wen die Pflicht trifft und ab wann
§ 35 Abs. 1 GModG verpflichtet grundsätzlich alle Eigentümer beheizter Gebäude, und zwar unbefristet und unmittelbar. Die oft zitierte Zwei-Jahres-Frist ist die Ausnahme für selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser (§ 35 Abs. 3): Wer am 1. Februar 2002 selbst im Haus wohnte, ist befreit. Die Pflicht entsteht erst beim ersten Eigentümerwechsel nach diesem Stichtag und dann binnen zwei Jahren. War das Haus zwischenzeitlich schon einmal verkauft, ist diese Frist verbraucht und die Pflicht gilt sofort.
Oberste Geschossdecke: worum es geht
Maßgeblich ist die Legaldefinition in § 3 Abs. 1 Nr. 28 GModG: Die oberste Geschossdecke ist die zugängliche Decke beheizter Räume zum unbeheizten Dachraum. Fehlt ein unbeheizter Dachraum, existiert keine oberste Geschossdecke im Sinne des Gesetzes, und § 35 greift nicht.
In den meisten Fällen ist die Aufgabe überschaubar. Bei einer begehbaren Decke wird Dämmmaterial unter einem neuen Bodenbelag verlegt. Bei einem ungenutzten Dachboden reicht oft eine lose aufgelegte Dämmschicht. Auch eine Einblasdämmung in Hohlräume ist möglich. Für ein typisches Einfamilienhaus liegen die Kosten meist zwischen 3.000 und 8.000 Euro. Das ist deutlich weniger als eine Fassaden- oder Fenstersanierung kostet. Gerade diese Maßnahme eignet sich gut für Eigenleistung, siehe den Ratgeber Eigenleistung bei der Sanierung.
Wer das Dach ohnehin ausbauen oder neu eindecken möchte, kann statt der Decke das Dach dämmen. § 35 GModG lässt diese Alternative ausdrücklich zu. Ist das Dach gedämmt, gilt die Pflicht für die Decke darunter als erfüllt. Sinnvoll ist, diese Frage schon vor dem Kauf zu klären; mehr dazu im Ratgeber Energieberatung beim Hauskauf.
| Dämmverfahren | Geeignet für | Typische Kosten EFH |
|---|---|---|
| Dämmplatten lose aufgelegt | nicht genutzter Dachboden | 3.000 bis 5.000 € |
| Dämmung unter neuem Bodenbelag | begehbarer Dachboden | 5.000 bis 8.000 € |
| Einblasdämmung | Hohlräume in Holzbalkendecken | 2.500 bis 5.000 € |
| Dachdämmung statt Geschossdecke | geplanter Dachausbau | je nach Dachfläche |
Sonderfall Bungalow
Beim Bungalow hängt § 35 daran, ob überhaupt eine oberste Geschossdecke existiert. Nicht die Dachform entscheidet, sondern ob unter der Hülle eine Decke gegen einen unbeheizten Dachraum liegt.
- Kompaktes Flachdach (Decke gleich Dach, kein Hohlraum): Das Bauteil grenzt direkt an die Außenluft, es gibt also keine oberste Geschossdecke und § 35 greift nicht. Eine Dämmpflicht entsteht erst bei einer Sanierung des Dachs über § 36 (Flachdach: U-Wert höchstens 0,20 W/(m²·K)).
- Flachdach mit horizontaler Decke und darüber liegendem unbeheizten, zugänglichen Kaltraum: Eine oberste Geschossdecke ist vorhanden, § 35 greift (U-Wert höchstens 0,24).
- Steildach mit unbeheiztem Spitzboden: Eine oberste Geschossdecke ist vorhanden, § 35 greift (U-Wert höchstens 0,24).
Ist statt der Decke das Dach gedämmt und erfüllt es den Mindestwärmeschutz, gilt die Pflicht über die Erfüllungsfiktion (§ 35 Abs. 1 S. 2) als erfüllt.
Sonderfall ausgebautes Dachgeschoss
Ist der Dachstuhl bis unter die Schräge beheizter Wohnraum, fehlt der unbeheizte Dachraum. Damit gibt es keine oberste Geschossdecke und § 35 greift nicht. Die ungedämmte Dachschräge ist ein Dach, kein Geschossdeckenbauteil. Eine Dämmpflicht entsteht erst bei einer Sanierung über § 36 (Steildach: U-Wert höchstens 0,24 W/(m²·K), bei Erneuerung von mehr als 10 Prozent inklusive Eingriff in Lattung oder Dämmebene).
Aber: „Ausgebaut“ heißt nicht automatisch „pflichtfrei“. Bleibt ein Rest-Kaltraum, etwa ein unbeheizter Spitzboden über einer Kehlbalkendecke oder ein angrenzender unbeheizter Dachabstellraum, dann ist die horizontale Decke zu diesem Kaltraum eine oberste Geschossdecke. Für dieses Bauteil greift § 35 weiterhin (U-Wert höchstens 0,24). Drempel- und Abseitenwände sind Wände, keine Geschossdecken; für sie gilt nur § 36 bei einer Sanierung.
Erfüllungsfiktion: wann die Pflicht schon als erfüllt gilt
Viele Hauskäufer rechnen mit einer Dämmung und sind dann überrascht: § 35 GModG kennt die sogenannte Erfüllungsfiktion. Das Gesetz sieht die Pflicht in mehreren Fällen als erfüllt an, ohne dass Sie eine einzige Dämmplatte verlegen.
- Die Decke erreicht bereits den Mindestwärmeschutz. Die Pflicht greift überhaupt nur dann, wenn die oberste Geschossdecke die Anforderungen der Norm DIN 4108-2 nicht erfüllt. Viele Decken tun das längst. Holzbalkendecken mit Einschub erreichen den Mindestwärmeschutz häufig schon bauartbedingt, und Massivdecken aus der Bauzeit ab etwa 1969 liegen oft ebenfalls darüber. Trifft das auf Ihr Haus zu, besteht keine Nachrüstpflicht.
- Das Dach ist bereits gedämmt. Ist der Dachraum oberhalb der Decke gedämmt oder erfüllt das Dach selbst den Mindestwärmeschutz, ist die Decke darunter aus der Pflicht.
- Enge Platzverhältnisse. Lässt sich in einem Deckenzwischenraum die rechnerisch nötige Dämmstärke nicht unterbringen, genügt die größtmögliche Dämmschichtdicke mit einem gut dämmenden Material. Der gesetzliche Zielwert muss dann nicht punktgenau erreicht werden.
Ob einer dieser Fälle vorliegt, lässt sich nicht am Exposé ablesen. Es braucht den Blick auf das Bauteil selbst: Aufbau, Materialien und vorhandene Dämmschichten. Genau das prüft ein Energieberater bei einem Termin vor Ort und hält das Ergebnis nachvollziehbar fest.
Wann die Pflicht ganz entfällt
Neben der Erfüllungsfiktion gibt es einen zweiten Weg, an der Dämmung vorbeizukommen. § 35 GModG enthält eine Wirtschaftlichkeitsklausel (Abs. 4). Bei einem selbst genutzten Haus mit höchstens zwei Wohnungen entfällt die Pflicht, wenn sich die Kosten der Dämmung nicht innerhalb einer angemessenen Frist durch die eingesparte Heizenergie wieder hereinholen lassen.
Diese Rechnung hängt von Ihrem Haus ab: Deckenfläche, heutiger Zustand, Heizungsart und Energiepreise spielen hinein. Ein Energieberater stellt die zu erwartende Einsparung den Investitionskosten gegenüber und zeigt, ob die Maßnahme sich im üblichen Betrachtungszeitraum trägt. Fällt diese Rechnung negativ aus, müssen Sie nicht dämmen.
Bevor Sie dämmen: erst prüfen lassen, ob Sie überhaupt müssen.
Ein Termin vor Ort klärt zwei Fragen auf einmal. Erfüllt Ihre oberste Geschossdecke schon den Mindestwärmeschutz? Und falls nicht: Trägt sich die Dämmung wirtschaftlich? In beiden Fällen kann die Pflicht nach § 35 GModG für Sie entfallen. Ich prüfe Ihr Haus vor Ort und halte das Ergebnis schriftlich für Sie fest.
Bußgeld bei Untätigkeit
Wer die Zwei-Jahres-Frist verstreichen lässt und keinen der Ausnahmegründe hat, riskiert ein Bußgeld. Verstöße gegen die Nachrüstpflichten zählen nach § 108 GModG zu den Ordnungswidrigkeiten und können mit bis zu 50.000 Euro geahndet werden. In der Praxis steht selten das Höchstmaß im Raum, doch die Pflicht ist verbindlich. Wer früh prüfen lässt, vermeidet Zeitdruck kurz vor Fristende und kann die Maßnahme in Ruhe planen.
Weitere Nachrüstpflichten beim Hauskauf
Die oberste Geschossdecke ist nicht die einzige Pflicht, die mit dem Hauskauf auf Sie übergeht. Eine weitere steht oft im selben Atemzug, eine früher genannte ist entfallen:
- Ungedämmte Heizungsrohre (§ 69 Abs. 2 GModG i. V. m. Anlage 8): Zugängliche Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen in unbeheizten Räumen, etwa im Keller, müssen gedämmt sein. Für Ein- und Zweifamilienhäuser, die der Eigentümer am 1. Februar 2002 selbst bewohnt hat, gilt wie bei der Decke eine Frist von zwei Jahren ab dem ersten Eigentümerwechsel nach diesem Tag (§ 69 Abs. 3 und 4). Eine Selbstbefreiung bei Unwirtschaftlichkeit gibt es hier nicht; eine Ausnahme ist nur über die allgemeine Härtefallregelung möglich (§ 102 GModG).
- Alte Heizkessel: Die frühere Pflicht, Konstanttemperaturkessel nach 30 Jahren außer Betrieb zu nehmen, ist mit dem GModG seit dem 29. Juli 2026 entfallen. Alte Kessel dürfen weiterlaufen. Wer die Heizung tauscht und wieder mit Öl oder Gas heizt, muss bei Anlagen, die nach dem 29. Juli 2026 eingebaut werden, ab 2029 einen wachsenden Anteil biogener Brennstoffe nutzen (§ 43 GModG). Was das neue Gesetz bei Heizungen sonst geändert hat, erklärt der Ratgeber Heizungsgesetz 2026: Was das GModG wirklich ändert.
Auch diese Punkte gehören in eine Bestandsaufnahme nach dem Kauf. Wer beide Pflichten zusammen betrachtet, kann die Arbeiten sinnvoll bündeln und Förderung in NRW mitnehmen, wo sie möglich ist. Wenn der alte Kessel ohnehin ersetzt werden soll, lohnt sich ein Blick auf die Wärmepumpe im Altbau.
Weitere Pflichten nach dem Hauskauf im Überblick
Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Pflichten nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz mit Norm, Auslöser und der jeweiligen Kernausnahme zusammen.
| Pflicht | Norm (GModG) | Auslöser / Frist | Kernausnahme |
|---|---|---|---|
| Dämmung oberste Geschossdecke (oder Dach), U-Wert höchstens 0,24 | § 35 | unmittelbar; Selbstnutzer-EFH/ZFH: 2 Jahre ab erstem Eigentümerwechsel nach 01.02.2002 | Erfüllungsfiktion; Unwirtschaftlichkeit (§ 35 Abs. 4) |
| Dämmung zugänglicher Leitungen und Armaturen in unbeheizten Räumen | § 69 Abs. 2 + Anlage 8 | unmittelbar; Selbstnutzer-EFH/ZFH: 2 Jahre ab erstem Eigentümerwechsel nach 01.02.2002 (§ 69 Abs. 3 und 4) | nur Härtefall (§ 102), keine Selbstbefreiung wegen Unwirtschaftlichkeit |
| Bio-Treppe für neu eingebaute Öl- und Gasheizungen (biogener Anteil 10 % ab 2029, 15 % ab 2030, 30 % ab 2035, 60 % ab 2040) | § 43 | Einbau nach dem 29.07.2026 | Erfüllung auch über Solarthermie, Wärmerückgewinnung oder Hybridheizung; zwölf Monate Aufschub, wenn die Heizung nach einem irreparablen Ausfall im Jahr 2028 eingebaut wird |
| Bauteilanforderungen bei Sanierung (Dach, Wand, Fenster …) | § 36 + Anlage 7 | bei Erneuerung von mehr als 10 % der Bauteilgruppe | Bagatelle unter 10 %; Ausnahmen für bestimmte Bauteile, die nach dem 31.12.1983 normgerecht ausgeführt wurden (Fußnoten der Anlage 7) |
| Energieausweis bei Verkauf | § 80 (+ § 87) | beim Verkauf | Wohngebäude mit weniger als fünf Wohnungen und Bauantrag vor 01.11.1977: Bedarfsausweis, außer das Gebäude erreicht das Niveau der Wärmeschutzverordnung 1977; diese Regel entfällt ab 01.01.2027 |
Schritt für Schritt nach dem Kauf
- Unterlagen sichten: Energieausweis, Baujahr, vorhandene Pläne und Angaben zu früheren Sanierungen zusammentragen.
- Termin vor Ort: Ein Energieberater begutachtet Geschossdecke, Dach, Heizung und Leitungen.
- Ergebnis: Sie erhalten eine Einschätzung, welche Pflichten greifen, welche durch Erfüllungsfiktion oder Wirtschaftlichkeit entfallen und was eine Dämmung kosten würde.
- Umsetzung planen: Falls eine Maßnahme nötig ist, lässt sie sich oft mit anderen Schritten und mit Förderung verbinden.
- Nachweise ablegen: Rechnungen und Fachunternehmererklärungen gehören in Ihre Hausunterlagen.
Diesen Termin vor Ort übernehme ich für Sie. Gerade bei Bestandsbauten der 1950er- bis 1980er-Jahre lohnt sich der prüfende Blick: Häufig zeigt sich, dass die Pflicht nach § 35 durch Erfüllungsfiktion oder Wirtschaftlichkeit gar nicht greift.
Sinnvoll sanieren statt nur dämmen
§ 35 GModG legt einen Mindeststandard fest, kein Sanierungskonzept. Die oberste Geschossdecke zu dämmen ist günstig und schnell erledigt, deshalb wird sie nach dem Hauskauf oft als Erstes angegangen. Für die reine Pflichterfüllung ist das richtig. Für Ihr Geld ist es nicht immer der größte Hebel.
Wer ohnehin investieren möchte, sollte vorher eine andere Frage stellen: Welche Maßnahme spart pro eingesetztem Euro am meisten Heizenergie? Die Antwort hängt vom Gebäude ab. Bei einem Haus mit alter Heizung und ungedämmter Fassade bringt ein Heizungstausch oder eine Fassadendämmung oft spürbar mehr als die Decke allein. Bei einem schon gut gedämmten Haus kann die Geschossdecke dagegen genau die Lücke sein, die noch zählt. Ohne Blick auf das ganze Gebäude lässt sich das nicht beantworten.
Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) bringt die Maßnahmen in eine sinnvolle Reihenfolge: zuerst das, was am stärksten wirkt, danach der Rest. Die Pflicht nach § 35 lässt sich darin einordnen, statt sie isoliert abzuarbeiten. So erfüllen Sie die gesetzliche Vorgabe und stecken Ihr Budget zugleich dorthin, wo es die größte Wirkung hat. Welche Zuschüsse das unterstützen, zeigt der Ratgeber Fördermittel NRW.
Die Quintessenz: Die Decke ungeprüft zu dämmen, erfüllt nur eine Pflicht. Die bessere Wahl ist, vorab zu klären, was für dieses Haus energetisch sinnvoll ist. Eine geprüfte Reihenfolge der Maßnahmen schützt vor Fehlinvestitionen und bringt am Ende mehr Einsparung für dasselbe Geld.
Rechtsstand
Stand: Oktober 2026. Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ist seit dem 29. Juli 2026 in Kraft (Gesetz vom 23. Juli 2026, BGBl. 2026 I Nr. 226). Das Gebäudeenergiegesetz wurde dafür geändert und umbenannt, die Paragrafen haben neue Nummern: Die Nachrüstpflicht für die oberste Geschossdecke steht jetzt in § 35. Inhaltlich ist sie unverändert: U-Wert höchstens 0,24 W/m²K, zwei Jahre Frist ab dem ersten Eigentümerwechsel nach dem 1. Februar 2002, Ausnahmen wie beschrieben. Weggefallen sind die 65-%-Erneuerbaren-Pflicht bei neuen Heizungen, die Austauschpflicht für alte Konstanttemperaturkessel und das Betriebsverbot für fossile Heizungen ab 2045. Neu ist die Bio-Treppe für Öl- und Gasheizungen, die nach dem 29. Juli 2026 eingebaut werden (§ 43). Für Wohngebäude sind auch künftig keine gebäudescharfen Zwangssanierungen vorgesehen, sondern ein nationales Bestandsziel.
Häufige Fragen
Ja, wenn sie den Mindestwärmeschutz nicht erreicht und das Dach darüber nicht gedämmt ist; ein gedämmtes Dach erfüllt die Pflicht ersatzweise, eine eigene Pflicht zur Dachdämmung gibt es nicht. Zwei Jahre ab Grundbucheintrag haben Sie nach § 35 GModG, wenn der Verkäufer das Ein- oder Zweifamilienhaus schon am 1. Februar 2002 besaß und selbst bewohnte; sonst gilt die Pflicht sofort. Bei selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern entfällt sie, wenn sich die Dämmung wirtschaftlich nicht trägt (§ 35 Abs. 4).
Erfüllungsfiktion bedeutet, dass das Gesetz die Dämmpflicht in bestimmten Fällen als erfüllt ansieht, ohne dass gedämmt werden muss. Das gilt, wenn die Geschossdecke den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 schon erreicht, wenn das Dach darüber gedämmt ist oder wenn in engen Deckenzwischenräumen die größtmögliche Dämmstärke verbaut wurde.
Die gedämmte oberste Geschossdecke darf nach § 35 GModG einen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) von 0,24 W/(m²·K) nicht überschreiten.
Für ein typisches Einfamilienhaus liegen die Kosten meist zwischen 3.000 und 8.000 Euro, abhängig von Fläche, Dämmverfahren und Zugänglichkeit des Dachbodens.
Verstöße gegen die Nachrüstpflichten gelten nach § 108 GModG als Ordnungswidrigkeit und können mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.
Die Deckendämmung ist die günstigste der Nachrüstpflichten und schnell erledigt. Ob sie auch energetisch der beste erste Schritt ist, hängt vom Gebäude ab. Bei alter Heizung oder ungedämmter Fassade bringen andere Maßnahmen oft mehr Einsparung pro Euro. Ein individueller Sanierungsfahrplan ordnet die Maßnahmen nach Wirkung und bezieht die Pflicht nach § 35 mit ein. Sinnvoller als ungeprüftes Dämmen ist also, vorher die energetisch beste Lösung für das Haus zu klären.
Das hängt vom Aufbau ab. Bei einem kompakten Flachdach, bei dem die Decke zugleich das Dach ist, grenzt das Bauteil direkt an die Außenluft. Dann gibt es keine oberste Geschossdecke und § 35 greift nicht; eine Dämmpflicht entsteht erst bei einer Dachsanierung über § 36. Liegt dagegen über einer horizontalen Decke ein unbeheizter, zugänglicher Kaltraum, ist eine oberste Geschossdecke vorhanden und § 35 greift (U-Wert höchstens 0,24 W/(m²·K)).
Ist der Dachstuhl bis unter die Schräge beheizter Wohnraum, fehlt der unbeheizte Dachraum. Dann gibt es keine oberste Geschossdecke und § 35 greift nicht; die Dachschräge ist ein Dach, für das erst bei einer Sanierung § 36 gilt. Bleibt aber ein unbeheizter Rest-Kaltraum, etwa ein Spitzboden über einer Kehlbalkendecke, ist die horizontale Decke zu diesem Kaltraum eine oberste Geschossdecke, und für dieses Bauteil greift § 35 weiterhin (U-Wert höchstens 0,24 W/(m²·K)).
Erst die sinnvollste Maßnahme, dann dämmen.
Ich prüfe vor Ort, ob die Pflicht nach § 35 GModG für Sie greift, und zeige im selben Termin, welche Sanierungsschritte Ihrem Haus pro Euro am meisten bringen. So erfüllen Sie die Pflicht und investieren Ihr Budget dort, wo es wirkt. Antwort innerhalb von 24 Stunden.
Hinweis: Dieser Ratgeber bietet allgemeine Informationen zu § 35 GModG und den Nachrüstpflichten nach dem Hauskauf. Ob und in welchem Umfang die Pflicht für Ihr Haus gilt, hängt vom Einzelfall ab und lässt sich erst nach einer Prüfung am konkreten Gebäude verbindlich beurteilen. Stand: Oktober 2026.
Quellen
- § 35 Gebäudemodernisierungsgesetz, Nachrüstung eines bestehenden Gebäudes, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de), Fassung seit 29.07.2026. Dämmpflicht, Frist nach dem Eigentümerwechsel, Ausnahme bei Unwirtschaftlichkeit.
- § 3 Gebäudemodernisierungsgesetz, Begriffsbestimmungen, gesetze-im-internet.de, Fassung seit 29.07.2026. Begriff der obersten Geschossdecke.
- § 36 Gebäudemodernisierungsgesetz und Anlage 7, gesetze-im-internet.de, Fassung seit 29.07.2026. Bauteilanforderungen bei der Sanierung.
- § 69 Gebäudemodernisierungsgesetz, gesetze-im-internet.de, Fassung seit 29.07.2026. Dämmung von Leitungen und Armaturen in unbeheizten Räumen.
- § 102 Gebäudemodernisierungsgesetz, Befreiungen, gesetze-im-internet.de, Fassung seit 29.07.2026. Befreiung bei unbilliger Härte.
- § 108 Gebäudemodernisierungsgesetz, Bußgeldvorschriften, gesetze-im-internet.de, Fassung seit 29.07.2026. Bis 50.000 Euro bei Verstößen gegen §§ 35 und 69.
- § 43 Gebäudemodernisierungsgesetz, gesetze-im-internet.de, Fassung seit 29.07.2026. Biogener Mindestanteil für neue Öl- und Gasheizungen und seine Ausnahmen.
- § 80 Gebäudemodernisierungsgesetz, gesetze-im-internet.de, Fassung seit 29.07.2026. Energieausweis beim Verkauf.
- Gesetz zur Änderung des Gebäudeenergiegesetzes, zur Änderung des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes und zur Änderung weiterer Vorschriften im Wärmebereich vom 23.07.2026, Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 226, ausgegeben am 28.07.2026.
