Das Wichtigste in Kürze
- Die 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien bei neuen Heizungen ist entfallen.
- An ihre Stelle tritt die Bio-Treppe (§ 43 GModG): eine wachsende Quote biogener Brennstoffe für Gas- und Ölheizungen, die nach dem 29. Juli 2026 eingebaut werden, 10 % ab 2029 bis 60 % ab 2040.
- Die Kopplung an die kommunale Wärmeplanung ist entfallen. Die Planungsfristen der Kommunen bleiben, lösen aber keine Pflicht mehr aus.
- Die Nachrüstpflichten für oberste Geschossdecke und Leitungsdämmung bleiben; die Austauschpflicht für alte Konstanttemperaturkessel ist entfallen.
- Das GModG gilt seit dem 29. Juli 2026 (Gesetz vom 23. Juli 2026, BGBl. 2026 I Nr. 226).
Inhalt
Was tatsächlich weggefallen ist
Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, bisher GEG) gilt seit dem 29. Juli 2026. Das Gebäudeenergiegesetz wurde dazu geändert und umbenannt. Der meistdiskutierte Punkt zuerst: Die Vorgabe, dass jede neu eingebaute Heizung zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden muss, ist gestrichen. Damit ist die Regelung verschwunden, die in der Öffentlichkeit als Heizungsgesetz galt.
Ein häufiges Missverständnis dazu: Die Pflicht sei nie in Kraft gewesen. Das stimmt nur zur Hälfte. Für Neubauten in Neubaugebieten galt sie seit Januar 2024. Für Bestandsgebäude war sie an die kommunale Wärmeplanung gekoppelt und sollte spätestens nach deren Fristen greifen: nach dem 30. Juni 2026 in Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern, nach dem 30. Juni 2028 in kleineren Gemeinden (§ 4 Wärmeplanungsgesetz). Mit dem GModG ist diese Kopplung entfallen.
Gestrichen ist außerdem das pauschale Verbot, ab 2045 mit fossilen Brennstoffen zu heizen. An seine Stelle soll eine Grüngas- und Grünheizölquote treten, die nicht den Hauseigentümer trifft, sondern die Unternehmen, die Gas und Öl in Verkehr bringen (§ 42a GModG). Das zugehörige Gesetz soll bis zum 1. Dezember 2026 vorgelegt werden; beschlossen ist es noch nicht.
Die Bio-Treppe: die neue Rechnung
Der Wegfall der 65-Prozent-Pflicht bedeutet nicht, dass eine neue Gasheizung folgenlos bleibt. Das GModG schreibt für Gas- und Ölheizungen, die nach dem 29. Juli 2026 eingebaut werden, einen wachsenden Mindestanteil biogener Brennstoffe vor (§ 43). Das nennt man Bio-Treppe.
| Ab | Mindestanteil biogener Brennstoffe |
|---|---|
| 2029 | 10 Prozent |
| 2030 | 15 Prozent |
| 2035 | 30 Prozent |
| 2040 | 60 Prozent |
Die Pflicht trifft den Eigentümer, nicht den Lieferanten. Wer 2027 eine Gasheizung einbaut, hat sie nach heutiger Lebensdauer 2047 noch im Keller und durchläuft alle vier Stufen.
Was das kostet, lässt sich heute nicht seriös beziffern. Niemand weiß, was Biogas oder Bioheizöl kosten, wenn sie gesetzlich in dieser Menge nachgefragt werden. Genau darin liegt der Punkt: Die Anschaffung einer Gasheizung ist günstiger, das Betriebsrisiko über zwanzig Jahre trägt der Eigentümer. Ein Vergleich, der nur die Anschaffung gegenüberstellt, blendet die Hälfte der Rechnung aus.
Wie sich das gegen eine Wärmepumpe rechnet, zeigt der Ratgeber Heizsystem wählen mit einer Vollkostenbetrachtung über zwanzig Jahre.
Kommunale Wärmeplanung: entkoppelt, nicht abgeschafft
Bisher galt: Sobald eine Kommune ihren Wärmeplan beschlossen hat, greift die 65-Prozent-Pflicht auch im Bestand. Diese Kopplung ist mit dem GModG entfallen. Die Heizungswahl ist damit wieder frei, gleich, wie weit die Planung ist.
Die Wärmeplanung selbst bleibt. Die Fristen nach dem Wärmeplanungsgesetz laufen weiter: bis zum 30. Juni 2026 für Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern, bis zum 30. Juni 2028 für kleinere Gemeinden.
Für Sie als Eigentümer bleibt sie trotzdem relevant, nur eben als Information statt als Pflicht. Wenn Ihr Quartier ein Fernwärmegebiet werden soll, ist eine eigene Investition in einen Kessel unter Umständen verlorenes Geld. Diese Frage stellt sich vor dem Kauf, nicht danach.
Was unverändert bleibt
In der Berichterstattung ging weitgehend unter, wie viel vom Ordnungsrecht stehen bleibt. Diese Pflichten gelten weiter, teils unter neuer Paragrafennummer:
- Dämmung der obersten Geschossdecke. Pflicht, wenn sie den Mindestwärmeschutz nicht erreicht und das Dach darüber nicht gedämmt ist, U-Wert höchstens 0,24 W/(m²·K), jetzt § 35 GModG. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern, die der Eigentümer am 1. Februar 2002 selbst bewohnt hat, gilt sie erst nach dem ersten Eigentümerwechsel seit diesem Tag und dann binnen zwei Jahren. Details im Ratgeber Sanierungspflicht nach Hauskauf. Wie Sie diese Dämmung selbst erledigen können, zeigt der Ratgeber Eigenleistung bei der Sanierung.
- Dämmung zugänglicher Heizungs- und Warmwasserleitungen in unbeheizten Räumen (§ 69).
- Bauteilanforderungen bei Sanierungen, wenn mehr als zehn Prozent einer Bauteilgruppe erneuert werden.
- Energieausweispflicht bei Verkauf und Vermietung.
Weggefallen ist dagegen die Pflicht, alte Konstanttemperaturkessel nach 30 Jahren stillzulegen. Alte Kessel dürfen weiterlaufen.
Und ebenso wichtig: Für Wohngebäude sind weiterhin keine gebäudescharfen Zwangssanierungen vorgesehen. Deutschland arbeitet stattdessen mit einem nationalen Bestandsziel.
Neu für Nichtwohngebäude
Das GModG setzt zugleich die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie um. Für Nichtwohngebäude bringt das Mindeststandards nach dem Worst-first-Ansatz: Die energetisch schlechtesten Gebäude sind zuerst an der Reihe, 16 Prozent des Bestands bis 2030 und 26 Prozent bis 2033. Nichtwohngebäude erhalten außerdem erstmals Effizienzklassen von A bis G.
Für Wohngebäude gilt dieser Ansatz ausdrücklich nicht.
Ab wann das alles gilt
Bundestag und Bundesrat haben dem GModG im Juli 2026 zugestimmt. Das Gesetz vom 23. Juli 2026 wurde am 28. Juli 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet (BGBl. 2026 I Nr. 226) und gilt seit dem 29. Juli 2026.
Die neuen Regeln zum Energieausweis gelten ab dem 1. Januar 2027. Sie stehen in Artikel 2 des Gesetzes vom 23. Juli 2026, der nach Artikel 9 Absatz 2 an diesem Tag in Kraft tritt. Der wesentliche Energieträger der Heizung bleibt dabei eine Pflichtangabe in Immobilienanzeigen. Zugleich entfallen zwei Regeln, die bis Ende 2026 noch gelten: das Beratungsgespräch zum Energieausweis für Käufer von Wohngebäuden mit nicht mehr als zwei Wohnungen und die Pflicht zum Bedarfsausweis für Wohngebäude mit weniger als fünf Wohnungen und Bauantrag vor dem 1. November 1977.
Was das praktisch bedeutet
Wer heute eine Heizung tauscht, fällt bereits unter das GModG: Die 65-Prozent-Pflicht gilt nicht mehr, die Heizungswahl ist frei. Wer eine Gas- oder Ölheizung einbaut, sollte die Bio-Treppe von Anfang an in die Rechnung nehmen, denn sie greift ab 2029 und damit lange vor dem Ende der Nutzungsdauer.
Was das für Ihre Entscheidung heißt
Der Wegfall der 65-Prozent-Pflicht nimmt Druck aus der Entscheidung, er nimmt sie Ihnen aber nicht ab. Die technische Frage bleibt dieselbe: Welches System passt zu diesem Haus, bei dieser Heizlast, mit diesen Heizflächen? Und die wirtschaftliche Frage verschiebt sich lediglich vom Ordnungsrecht auf den Brennstoffpreis.
Drei Dinge lohnen sich in jedem Fall:
- Die Heizlast rechnen lassen, bevor Sie ein Angebot einholen. Daumenregeln überschätzen sie regelmäßig, und eine zu große Anlage kostet dauerhaft.
- Den Wärmeplan Ihrer Kommune prüfen, auch wenn er keine Pflicht mehr auslöst. Ein absehbarer Fernwärmeanschluss ändert die Rechnung grundlegend.
- Beide Wege mit Bandbreiten durchrechnen statt mit Punktwerten. Wo die Unsicherheit groß ist, ist eine Spanne ehrlicher als eine Zahl.
Welche Förderung dabei greift, steht im Ratgeber BEG-Reform 2026. Die Förderrichtlinien sind ein eigenes Regelwerk und haben sich zum 21. Juli 2026 geändert (Richtlinie BEG Einzelmaßnahmen vom 17.08.2026, BAnz AT 27.08.2026 B1).
Häufige Fragen
Die 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien bei neuen Heizungen entfällt mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz. Das Ordnungsrecht für Gebäude bleibt aber bestehen. An die Stelle der Pflicht tritt eine wachsende Quote biogener Brennstoffe für neue Gas- und Ölheizungen.
Die Bio-Treppe ist die im GModG festgelegte Mindestquote biogener Brennstoffe für neu eingebaute Gas- und Ölheizungen: mindestens 10 Prozent ab 2029, 15 Prozent ab 2030, 30 Prozent ab 2035 und 60 Prozent ab 2040.
Nein. Mit dem GModG entfällt die Kopplung zwischen kommunaler Wärmeplanung und Heizungspflicht. Die Fristen für die Wärmeplanung selbst bleiben bestehen, 30. Juni 2026 für Kommunen über 100.000 Einwohner und 30. Juni 2028 für kleinere. Sie lösen aber keine Pflicht mehr aus.
Seit dem 29. Juli 2026. Das Gesetz vom 23. Juli 2026 wurde am 28. Juli 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet (BGBl. 2026 I Nr. 226). Die neuen Regeln zum Energieausweis gelten ab dem 1. Januar 2027 (Artikel 2 in Verbindung mit Artikel 9 Absatz 2 des Gesetzes).
Ja, mit einer Ausnahme. Die Pflicht zur Dämmung der obersten Geschossdecke (jetzt § 35 GModG) und die Leitungsdämmung in unbeheizten Räumen (§ 69) bleiben materiell unverändert. Die Pflicht, alte Konstanttemperaturkessel nach 30 Jahren stillzulegen, ist entfallen.
Ja, der Einbau bleibt erlaubt. Rechnen Sie aber die Bio-Treppe mit: Für Anlagen, die nach dem 29. Juli 2026 eingebaut werden, müssen Sie ab 2029 einen wachsenden Anteil biogener Brennstoffe einsetzen, bis 60 Prozent ab 2040. Was diese Brennstoffe dann kosten, ist offen. Die günstigere Anschaffung wird also mit einem Preisrisiko über die Nutzungsdauer erkauft.
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Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen zum Gebäudemodernisierungsgesetz wieder. Das Gesetz vom 23. Juli 2026 ist im Bundesgesetzblatt verkündet (BGBl. 2026 I Nr. 226) und gilt seit dem 29. Juli 2026. Maßgeblich ist der Gesetzestext auf gesetze-im-internet.de. Stand: Oktober 2026.
Quellen
- Gesetz zur Änderung des Gebäudeenergiegesetzes, zur Änderung des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes und zur Änderung weiterer Vorschriften im Wärmebereich vom 23.07.2026, Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 226, ausgegeben am 28.07.2026. Umbenennung in Gebäudemodernisierungsgesetz; Artikel 2 tritt nach Artikel 9 Absatz 2 am 01.01.2027 in Kraft.
- Gebäudemodernisierungsgesetz, Volltext, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de), Fassung seit 29.07.2026.
- § 43 Gebäudemodernisierungsgesetz, gesetze-im-internet.de, Fassung seit 29.07.2026. Mindestanteil biogener Brennstoffe für neue Öl- und Gasheizungen.
- § 42a Gebäudemodernisierungsgesetz, gesetze-im-internet.de, Fassung seit 29.07.2026. Angekündigte Grüngas- und Grünheizölquote für Inverkehrbringer.
- § 35 Gebäudemodernisierungsgesetz und § 69, gesetze-im-internet.de, Fassung seit 29.07.2026. Nachrüstpflichten für oberste Geschossdecke und Leitungen.
- § 4 Wärmeplanungsgesetz, Pflicht zur Wärmeplanung, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026. Fristen 30.06.2026 und 30.06.2028.
